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ftd-wettenErschienen am 07.07.2006 in der Sonderbeilage "Wettgeschäft" der Financial Times Deutschland.

Die Papiere der Sportwettenanbieter weisen zum Teil kräftige Kursgewinne auf.
Doch die unklare Rechtslage in Deutschland bremst die Entwicklung


VON DAVID SELBACH

Der 28. März sollte für Cashbet ein großer Tag werden. Das Unternehmen aus dem schwäbischen Heidenheim, das über Oddsline.de Sportwetten im Internet vermittelt und Selbstbedienungsterminals für Wettbüros verkauft, ließ sich an den Börsen in Frankfurt, Stuttgart und Berlin listen.


Man wollte reichlich Anlegergeld einsammeln, um für das Riesengeschäft mit der Fußballweltmeisterschaft gerüstet zu sein.

Doch alles kam anders: Denn ebenfalls am 28. März verkündete der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts sein Urteil über die
Vermittlung von Sportwetten. Diese bleibt zunächst Privileg des staatlichen Monopolisten Oddset. Erst 2007 soll der Gesetzgeber den Sportwettenmarkt endgültig regeln.

Bis dahin gilt das Geschäftsmodell von Cashbet, je nach Auslegung, in Teilen als illegal. Die Aktie befindet sich im Sturzflug. Der Münchener Konkurrent Bet 3000, der ebenfalls noch zur WM an die Börse wollte, sagte sein IPO vorsorglich ganz ab:
 
„Der rechtliche Rahmen ermöglicht dies zur Zeit nicht“, sagt Vorstand Magnus von Zitzewitz.

Bis auf weiteres ist also nur eine Hand voll deutscher Anbieter an der Börse, die sich beim Thema Sportwetten in einer rechtlichen Grauzone bewegen: die Lottoannahmestellen Tipp 24 und Fluxx, außerdem Sportwetten.de und Stratega Ost, die sich bis vor kurzem auf Beteiligungen in Osteuropa und Asien beschränkt hatte.

„Solange die Rechtslage nicht geklärt ist, wird das auch so bleiben“, analysiert der auf Wettfirmen spezialisierte Unternehmensberater Jens Leinert aus Offenbach. Anders im Ausland: Die Buchmacher und Wettanbieter aus Großbritannien gelten schon heute als sichere Investments.„Unternehmen wie Sportingbet, William Hill und Ladbrokes sind so gut wie Blue Chips“, sagt Leinert.

Die griechische OPAP, die seit den 50er Jahren in ihrer Heimat als Monopolistin für Glücksspiel, Lotto und Sportwetten agiert und 50 Prozent des Heimatmarktes beherrscht, gehört mit einem Umsatz von fast 3,7 Mrd. € im Jahr 2005 zu den größten Unternehmen Griechenlands.

Von Österreich aus, wo auch private Firmen Sportwetten anbieten dürfen, ist Betandwin auf dem europäischen Markt aktiv. Hier sitzen
außerdem die börsennotierten Anbieter Admiral Sportwetten und Bet-at-home.com.

Wettexperte Leinert geht wie die meisten Beobachter davon aus, dass 2007 auch Deutschland den Markt freigibt. „Dennoch ist die Entwicklung hier unsicherer“, sagt der Unternehmensberater, der deutsche Anbieter im Moment für eine eher spekulative Anlage hält.

Die Kurse aller etablierten Wettanbieter sind kräftig gestiegen, Betandwin etwa konnte den Kurswert seit 2005 um mehr als 370 Prozent steigern – auch wenn die Aktie zuletzt wieder deutlich gefallen ist.

Die deutsche Bet-at-Home, die ihren operativen Sitz in Linz hat, hat seit ihrem Börsengang Ende 2004 ebenfalls einen dramatischen Anstieg von 7 € auf zeitweise 76 € geschafft. Derzeit steht sie bei knapp 40 €. „Der große Hype ist inzwischen wieder aus den Werten raus“, sagt Marcus Sander, Analyst für Sportwettfirmen beim Bankhaus Sal. Oppenheim.

„Aber der Markt ist weiter interessant.“ Studien zufolge soll die Branche bis 2010 weltweit um durchschnittlich neun Prozent pro Jahr wachsen. „Man muss sehr genau schauen, welche Unternehmen man auswählt“, sagt Oppenheim-Experte Sander.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Portalbetreibern, Wettvermittlern, Buchmachern und den Lieferanten – etwa von Software oder Wettautomaten. Die österreichische Betandwin etwa hat sich an der Firma Ongames beteiligt, die auf Pokersoftware spezialisiert ist. Ongames wiederum betreibt die Seite Europoker.net – mit einem selbstentwickelten IT-System.

Praktisch alle Sportwettenanbieter haben auf diese Weise über Beteiligungen und eigene Firmen zusätzlich Glücksspiele im Angebot, erläutert Wettexperte Jens Leinert. „So will man neue Kunden gewinnen. Ein Casinokunde ist in der Regel auch empfänglich für Wetten.“

Cross-Selling ist überlebenswichtig für die Branche, denn im Internet, wo sich mit wenigen Mausklicks Einsätze und Quoten vergleichen lassen, ist die Wechselbereitschaft der Kunden groß. Stabiler und zudem weniger abhängig von Lizenzen und Wettverboten sind Zulieferer wie die schwedische Boss Media, die sich in den vergangenen Jahren vom Onlinekasino zum Internetdienstleister
gemausert hat.

Als einziges Unternehmen, das nicht selbst Wetten anbietet, ist Boss Media im „Lucky Basket“ vertreten, einem Zertifikat aus acht Wettaktien, das die Wiener Raiffeisen Centrobank im Herbst 2005 aufgelegt hat. Mit dabei sind – zu jeweils gleichen Teilen – außerdem die Branchengrößen Betandwin, Sportingbet, William Hill und die schwedische Unibet Group, außerdem die italienische Lottomatica, die britische Party Gaming und die deutsche Fluxx.

Viele Werte sind noch zu klein
Als weiteres strukturiertes Sportwettenprodukt im deutschsprachigen Raum kam im März 2006 der S-Box- Sportwetten-Index der Stuttgarter Börse hinzu, für den die Deutsche Bank ein Indexzertifikat anbietet.

Der S-Box-Index gibt die Kursentwicklung von insgesamt neun Unternehmen wieder. „Ein breiterer Querschnitt ist noch nicht möglich“, sagt Steffen Scheuble, Geschäftsführer des Zertifikatejournals, der den Index für die Stuttgarter Börse entwickelt hat. In die Liste kommen nur Anbieter mit einer Marktkapitalisierung von mindestens 75 Mio. €, ausreichendem Handelsvolumen und Börsenlisting in einem von 24 Ländern, welches für den Sportwettenmarkt wichtig ist.

 „Viele der Aktien im Bereich Sportwetten sind entweder von der Marktkapitalisierung zu klein oder weisen keinen großen Börsenumsatz auf“, sagt Scheuble.

Obwohl Anleger noch nicht allzu viele Investmentmöglichkeiten vorfinden, hat das Segment seiner Meinung nach Potenzial: „Noch  steckt das Geschäft in den Kinderschuhen. Es kann durchaus sein, dass wir erst am Beginn einer langfristigen Entwicklung stehen“, sagt Scheuble.