Lastschrift & Adress- und Bonitätscheck

 

Im ersten Abschnitt dieses Artikel wird die Bezahlung im Internet per Lastschrift (Direct Debit) beschrieben und die Vor- und Nachteile aus der Sicht des Kunden und des Händlers untersucht. Um das Betrugsrisiko durch Kunden zu reduzieren, werden im zweiten Abschnitt Prüfverfahren vorgestellt, die eine Überprüfung der Kundendaten ermöglichen.

In Deutschland gibt es mehr als 80 Mio. Girokonten und somit ist die Lastschrift die am meist verbreitetste Bezahlmöglichkeiten für das Internet.

Im Lastschriftverfahren unterscheidet man die Varianten per Einzugsermächtigung oder per Abbuchungsauftrag. Beim Abbuchungsauftrag erteilt der Kunde seiner Bank die Erlaubnis, dass von seinem Konto der Betrag abgebucht werden darf. Am gebräuchlichsten ist das Verfahren per Einzugsermächtigung. Hier erteilt der Kunde dem Händler die Erlaubnis, den Betrag von seinem Konto einzuziehen.

Möchte ein Händler den Einzug per Lastschrift anbieten, so benötigt er von seiner Hausbank einen Zusatzvertrag zum Einzug von Lastschriften. Dieser Vertrag entspricht einem Kreditvertrag, da die Bank die eingezogenen Beträge zur Verfügung stellt, obwohl dem Betrag durch den Kunden ja widersprochen werden kann und dann vom Händler zurück überwiesen werden muss. Um Lastschriften bei der Bank einreichen zu dürfen, muss dem Händler eine schriftliche Einzugsermächtigung des Kunden vorliegen.

Aus Kundensicht ist die Bezahlung nahezu risikolos, da eine Abbuchung in Deutschland nach 6 Wochen(45 Tage), in Österreich nach 42 Tagen und in der Schweiz nach 30 Tagen widersprochen werden kann. Dies setzt allerdings eine schriftliche Einzugsermächtigung voraus, die der Kunde dem Händler unterzeichnet hat. Ist dies nicht der Fall, so kann der Kunde sogar einer geleisteten Zahlung nach bis zu 30 Jahre widerrufen.

Folgende Anbieter bieten den direkten Lastschrifteinzug an.

Anbieter

Web-Adresse

Einrichtungs-Gebühr

Mtl. Grund-Gebühr*

Transaktions(TX)-Gebühr

Avicom

www.avicom.de

199,90€

49,90€ 0,89€ pro TX

Eops

www.eops.de

0,00€

29,- bis 95,-€ 0,20 bis 0,38€ pro TX

liberECO

www.libereco.de

99,00€

12,50€ * 5% bis 7,5% zzgl.

0,50 bis 0,70€ pro TX

WebTRADE.NET

www.webtrade.net

19,90€

19,90€ * 3,5%

Qenta

www.quenta.com

428,00€

9,90€ 0,15€

* mtl. Mindestumsatz

Dabei werden die Kontodaten online an das entsprechende Paymentgateway übermittelt und automatisch an das Banksystem übergeben. Der eingezogene Betrag wird unmittelbar dem Konto des Händlers gutgeschrieben.

Eine Zahlungsgarantie besteht allerdings nicht. Die Einlösung einer Lastschrift kann scheitern, wenn:

          keine ausreichende Deckung auf dem Konto ist

          Kontonummer, Bankleitzahl oder Kontoinhaber falsch sind

          Kontoinhaber (Kunde) widerspricht der Zahlung

Sollte es zu einem dieser Gründe kommen, so wird der Händler mit den Kosten der Kundenbank, der eigenen Bank und dem ursprünglich eingezogenen Betrag zurückbelastet. Die entsprechenden Gebühren sind unter den Banken unterschiedlich und bewegen sich in der Summe um die 7 bis 10 Euro. Dem Händler steht die Möglichkeit frei, auf dem zivilrechtlichen Weg diesen Betrag beim Kunden einzufordern.

 Es gibt einige Anbieter, die neben dem reinen Lastschrifteinzug auch das weitere Inkasso für Rücklastschriften übernehmen.

 In der Regel wird ein so genannter "Hoffnungslauf" gemacht. D.h., die Lastschrift wird, bis auf Rückgabe wg. Widerspruch, erneut eingereicht. Sollte die Lastschrift dann immer noch nicht eingelöst werden, so wird in den nächsten Mahnstufen per Brief oder sogar per Telefonanruf der Betrag angemahnt. Die zusätzlich aufgelaufenen Mahngebühren werden vom Paymentdienstleister dem Endkunden jeweils aufgeschlagen und in Rechnung gestellt. Um den Forderungen Nachdruck zu verleihen, sollten die bekannten Userdaten und IP-Adresse, Browser-Version oder Betriebssystem genannt werden, damit ein Leugnen der Tat erschwert wird. Sollte auch dieser Einzug ohne Erfolg sein, verbleibt nur noch die Möglichkeit des gerichtlichen Mahnverfahrens durch die Einschaltung eines Anwalts. Da die Anwalts- und Gerichtskosten nicht mehr durch den Paymentprovider, sondern durch den Anbieter getragen werden muss, wird jetzt entschieden, ob der Weg durch die gerichtliche Instanzen gegangen oder ob der Betrag abgeschrieben wird.

Anbieter

Webadresse

Einrichtungs-Gebühr

Mtl. Grund-Gebühr

TX-Gebühr

Disagio

Deposit

Auszahlung

Inkasso-stufen

Länder

Afendis

www.afendis.de -   € -   € 0,20 bis 0,29 8,00% 0% 45 Tagen 3 D, AT*, CH*, USA*

Easybilling

www.easybilling.de                

EBS AG

www.ebs-ag.de 200,00 € -   €   19,95% k.A. k.A. 3 D

ECS-Solution

www.ecs-solution.de -   € -   € -   € 9-20% 0% 14 Tagen 3 D, AT

Eurodebit

www.eurodebit.com -   € -   € -   € 12,95% 15% 14 Tage   D, AT, NL

Inet-Cash

www.inet-cash.de -   € -   € 0,77 € 8,62% 0% 15 Tage   D,

Libereco

www.libereco.net 49 bis 99€ -   € 0,50 bis 0,70 5,00% 15% 7 Tage 2 D, AT*, CH*,

Lzsoft

www.lzsoft.net -   € -   € -   € 15,00% 0% 45 Tagen 3 D

Netdebit

www.netdebit.de -   € -   € -   € 15,00%** 0% 45 Tagen 5 D, AT,

Ops-www-Servive

www.ops-www-service.de 99,00 € 49,00 € 0,36 € 8,50% 0% 15 Tage Alle D

United Payment

www.united-payment.de 200,00€ -   € -   € 9,50% 20% 180 Tage   D

WebTRADE

www.webtrade.net 19,90 € 19,90 € -   € 8,00% 0% 45 Tagen 3 D, AT, CH, BE, FR, IT, LI, NL, SP;

 * in Vorbereitung

** Effektivumsatz


Einige Kunden spekulieren darauf, dass bei niedrigen Beträgen in der letzten Konsequenz der Händler den Betrag abschreiben wird und verweigern bewusst die Zahlung.

Für den Händler ist zu beachten, dass es bei dem Verfahren Lastschrifteinzug inkl. Inkassodienstleistungen auch keine Zahlungsgarantie existiert und die Kosten für ein gerichtliches Mahnverfahren in den Disagiogebühren nicht inbegriffen sind. Allerdings profitiert der Händler von der Kompetenz und Erfahrung beim erneuten Einzug von offenen Rechnungen.

Die Lastschrift ist mit einem Umsatzanteil von 60 bis 80% die wichtigste Bezahlvariante für den deutschen Internet-Markt. Im internationalen Markt existiert die Lastschrift als Bezahlvariante gar nicht oder wird nur in der Abbuchungsauftrags-Variante (z.B. Schweiz) angeboten. Selbst wenn sie technisch möglich ist, so spielt die Lastschrift, im Vergleich zu Deutschland, nur eine untergeordnete Rolle.

Alle Anbieter bieten Lastschriftverfahren in Deutschland und kündigen dieses in Österreich und der Schweiz in Kürze an. WebTRADE bietet das Verfahren in weiteren europäischen Länder an, allerdings für eine Setupgebühr von €2.500,- pro Land.

Trotz der Popularität der Lastschrift bei den Kunden, birgt für den Anbieter dieses Bezahlverfahren ein großes Risiko vor den oben beschriebenen Rückbelastungen. Aus diesem Grund ist es empfehlenswert, dass man sich als Anbieter entsprechende Informationen über seine Kunden einholt. Besonders bei dem Verkauf von Content ist dieser Punkt besonders wichtig, da hier eine Auslieferung der Ware direkt über das Internet erfolgt und eine schriftliche Empfangsbestätigung, wie beim klassischen Versandhandel bei realen Gütern, nicht möglich ist.

 

Adress- und Risikockech (Fraudcheck)

Im realen Leben steht der Kunde dem Händler gegenüber und die Ware wird gegen Bezahlung ausgehändigt. Im Onlinegeschäft stehen sich die beiden Geschäftspartner gegenüber und müssen sich vertrauen. Bekomme ich die versprochenen Leistungen und Waren, fragt sich der Kunde und bekomme ich das Geld, der Händler. Es ist unerlässlich, dass man seinen Geschäftspartner kennt und von seiner Seriosität überzeugt ist. Während der Händler die Möglichkeit hat, sich über seinen Internetauftritt zu präsentieren und eine Vertrauenssituation aufzubauen, ist der Endkunde für den Händler die große Unbekannte.

Wenn der Kunde Content oder reale Güter beim Händler bestellt so sollte die Mindestkontrolle die Adressprüfung sein. Die Adressprüfung kann unterteilt werden in eine Adressplausibilisierung und Adressverifizierung.

Bei der Adressplausibilisierung werden die Adressdaten einer Prüfung auf formale Richtigkeit unterzogen, z.B. ob die angegebene Postleitzahl zum Ort bzw. Strasse passt. Anschriften wie Micky Maus, Teststrasse 123 in 12345 Entenhausen sind somit nicht möglich.

Bei der Adressplausibilisierung greifen die Anbieter für Deutschland in der Regel auf die Daten der Deutschen Post und für die restliche Welt (mehr als 200 Länder) auf die Daten des Weltpostvereins zurück.

 

 Adressprüfung

Anbieter

Einrichtungs-Gebühr

Mtl. Grund-Gebühr

Transaktions-kosten

Afendis

49,95 €

9,95 €

0,29 €

ECS-Solution

0,- €

20,00 €

-   €

Libereco

0,- €

0,- €

0,30 €

WebTRADE

19,90 €

19,90 €

0,15 €

Bei der Adressverifizierung handelt es sich um eine detailliertere Prüfung, bei der die postalische Richtigkeit der Adresse festgestellt und die Bestätigung des Haushaltes und/oder Person zur angegebenen Adresse überprüft wird. Diese Überprüfung kann bis auf Haushaltsebene möglich sein. Hier wird nicht die Meldedatenbank überprüft, sondern ob die Person jemals an die angegebene Adresse Post erhalten hat.  Dafür greifen die großen Anbieter eScore und Inforate auf die Adressbestände von großen Versandhäusern (Quelle, Neckermann, Otto, etc.) zurück und überprüfen, ob an diese Adresse schon einmal eine erfolgreich ausgeliefert worden ist.

Neben der richtigen Adresse sollte mit Hilfe einer Bonitäts- und Risikoanalyse die Zahlungsfähigkeit des Kunden geprüft werden um das Risiko eines Zahlungsausfalls oder gezielte Betrugsversuche zu erschweren.

 Mit Hilfe von Mikrogeographiedaten (u.a. Daten über Kaufkraft, Konsumneigung, Wohngebietstyp und Bebauungsstruktur) kann Rückschlüsse über die Art der Bevölkerung an der angegeben Adresse gewonnen werden.  Somit kann festgestellt werden, ob die Person in einer "wohlhabenden" Wohngegend wohnt oder eher in einer Gegend, in der die Bewohner mit den finanziellen Mitteln etwas eingeschränkt sind.

 Zusätzlich können die Daten gegen Negativlisten abgeglichen werden, welche von Inkassounternehmen geführt werden. EScore greift dafür auf die Daten für Consumer auf die Daten der Infoscore Gruppe (z.Bsp. Südwestinkasso) und für Unternehmen bei Schober zurück. Inforate bedient sich der Daten aus dem Bertelsmannkonzern (z.Bsp. BOL) und für Unternehmen auf die Daten von Bürgel.

Bei Inforate wird neben der Person auch der Warenkorb überprüft. Durch die umfangreichen Erfahrungen im Onlinebereich fallen Bestellungen auf, die durch Menge, Uhrzeit oder Art von einer normalen Standardbestellung abweichen. Wenn normalerweise immer nur ein Handy mit einem Ladekabel bestellt wird und plötzlich vier Handys und die auch noch ohne Ladekabel, dann fällt diese Bestellung auf und wird für eine individuelle, manuelle Prüfung vorgeschlagen.

Alle diese Informationen können eine Bewertungsskala ergeben, an der sich der Händler orientieren und entscheiden kann, ob er diesen Kunden bedienen und welches Bezahlverfahren er anbieten will.

Ein Negativkunde kann somit nur gegen Nachnahme oder Vorauskasse die Leistungen erhalten, ein mittlerer Kunde nur per Kreditkarte, ein guter Kunde per Lastschrift und ein sehr guter Kunde auf Rechnung.

Allerdings sollte nicht vergessen werden, dass auch diese Bewertungsskala nicht eine 100% Garantie geben kann. Auch Kunden aus einer "verrufenen" Gegend können seriös und gewillt sein jede Rechnung zu bezahlen. Ein "Ehrenmann" kann am nächsten Morgen den nächtliche Konsum von bestimmten Inhalten gegenüber der Ehefrau abstreiten und sich genötigt fühlen, die entsprechenden Zahlungen zu bestreiten.

Die Leistungen der oben genannten Anbieter werden über folgende Partner vertrieben, die eine Anbindung an die entsprechenden Informations-Datenbanken anbieten. Im Detail sollte geprüft werden, welche einzelnen Prüfungsmodule für die eigene Anwendung geeignet sind.   

 Bonitätsprüfung

Anbieter

Einrichtungs-Gebühr

Mtl. Grund-Gebühr

Transaktions-kosten

Afendis

49,95 €

9,95 €

2,00 €

Libereco

0,- €

0,- €

0,75 €

WebTRADE

349,00 €

99,00 €

0,99 bis 0,19€

Neben den vorgestellten Einzelmodulen, die in den ersten zwei Bereichten behandelt worden sind, bieten zahlreiche Paymentanbieter auch Komplettpakete an. Diese beinhalten neben den reinen Paymentdienstleistungen, auch Service- und Supportleistungen, Zugangskontrollen und unterschiedliche Abrechnungsmöglichkeiten (Mitgliedschaften, Einzelprodukte) inklusive komplette Userverwaltungen an.

Der Anbieter bindet dieses Komplettpaket an seinen angebotenen Content an und hat ein Susi-Sorglos-Paket für den Verkauf seiner Inhaltsseiten.

Wie diese Kundenverwaltungs-Komplett-Systeme funktionieren, welche Funktionen die unterschiedlichen Lösungen haben und was diese Kosten, dies wird Thema in der nächsten Ausgabe sein.

 

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Chancen und Risiken elektronischer Marktplätze (Juni 1995)
Internetbezahlung Abo-Abrechnungssysteme - Komplettlösungen

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Anonyme Visa Debitkarten am Bsp. von Pay2.net und ePassport

(voraussichtlich Juli 2003)

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(voraussichtlich August 2003)

Konzept zur Erstellung regionaler- oder thematischer Marktplätze
T-Pay. Das Bezahlsystem der deutschen Telekom

(voraussichtlich September 2003)